Okay, ich hab’s getan: Ich hab mir nach 3 Wochen doch mal wieder den Kopf rasiert. Drei Wochen – das ist ganz schön lang für mich.

Und du: eine Weile lang nicht geschrieben?

Dann bist du aus der Übung – aber wenn du vorher schon mal regelmäßig geschrieben hast, macht das nichts. So wie bei mir mit dem Rasieren: Ich weiß noch, wie’s geht. Rasierer ansetzen und los. Computer aufklappen und los. 

Computer aufklappen und losschreiben 

Nur: Hast du den Mut dazu? Einfach los? Denn je länger du nicht schreibst (rasierst), um so höher die Hemmschwelle:

  • Echt? Ich soll das JETZT machen? Ging doch auch prima ohne!
  • Äh, weiß ich noch, wie das geht? (Ja! Siehe oben.)
  • Uh, das ist aber schon radikal! Jeden Fehler wird man da sehen!

Wenn du vor einem weißen Batt Papier hockst mit so gar keinem Text vor dir, sieht jedes Wort, das du auf dieses leere Weiß schreibst, extra bedenkenswert aus. Radikal! 

Soll da wirklich “Ich” als erstes Wort stehen? Ach, ich lösch das lieber wieder. Gute Texte fangen nicht mit “ich” an. Ich schreib lieber … 

– und schon starrst du aufs Papier, stundenlang. Weil dieses eine erste Wort auf radikal leerem Papier eben extra gut sitzen muss. 

So wie jeder Schnitt durchs Haar richtig krass auffällt, wenn die Haare länger sind. 

Ich hab da einen Tipp für dich: 

Schreibtipp für dich

Mach’s wie ich beim Rasieren:

Setz irgendwo seitlich an. Da, wo’s nicht so schlimm ist, wenn’s daneben geht. Schreib (rasier) erst mal ein bisschen am Rand. Schreib erst mal so einen Nebensatz: 

Ah ja, das mit Katharina soll da rein in den Text! Ich schreib mal eben den Absatz über Katharina und wie sie ….

Und zack: Schon hast du da einen Absatz stehen. Zwar nicht das allererste und gefühlt wichtigste Wort, das Leser lesen, aber doch schon mal was. Da steht jetzt was auf dem Papier. Du hast geschrieben! Hurrah!

Und dann mach weiter so: mit noch einer Kleinigkeit im sicheren Bereich. Fürs Rasieren bei mir wäre das: an den Seiten was ab. Beim Schreiben bei dir? Was ist dein “sicherer Bereich”? 

Fang da an!

  • Du musst nicht das Schwierigste zuerst machen. 
  • Du kannst auch schummeln: dich seitlich rantasten, an das, was wirklich wichtig ist.
  • Dich aufwärmen in einem Bereich, der dir leichter fällt.

Und dann aber irgendwann mal musst du es doch: 

  • Etwas wagen
  • Etwas riskieren
  • Etwas finalisieren

Der Haarschnitt, den dann alle sehen.

Das erste Wort im Text.

Das letzte Wort im Text.

Der Vorteil beim Schreiben: 

Es gibt eine Löschen-Taste. Die gibt’s beim Rasieren nicht. Einmal wegrasiert: tja.

Beim Schreiben dagegen: 

Oh, verschrieben? Doch nicht so gut? LÖSCHEN! Nochmal schreiben. Neu. Das merkt am Ende keiner!

Du hast es beim Schreiben also eigentlich viel einfacher als beim Rasieren. (Yeah!)

Und du hast es gleichzeitig schwerer: Du brauchst keine maximale Entschiedenheit, kein Genau so mache ich das jetzt. Auf geht’s! Denn du kannst ja eben löschen und nochmal neu ansetzen. 

Diese Entschiedenheit brauchst du aber eben doch.

Sonst sitzt du und löscht du und sitzt du und löscht du … 

Also tu ab und zu mal so, als wär Schreiben Rasieren. Genau so wird das jetzt! Entschieden entscheiden: SO heißt dieser Satz. DIESES Wort nehm ich jetzt. Fertig, basta, Löschtaste gelöscht.

Löschtaste gelöscht

Und noch einen Vorteil hat das Schreiben (der “hinten pfui”-Teil): 

  • Du kannst dir jemanden ranholen, der von hinten guckt (Okay, das geht beim Rasieren auch – hast Recht.)
  • Du kannst dir Außenblick buchen. 
  • Du kannst dir jemanden suchen, der dahin schaut, wo du selbst einen toten Winkel hast. Deinen blinden Fleck. Deine Schreib-Schwachstellen, die du auch mit Verrenkungen nicht erreichst.

Alles klar?

Außenblick jederzeit: Nachricht an mich. 

Außenblick per Workshop: Melde dich zu einem meiner kostenfreien Schreibworkshops an. 

Ich wünsche schöne Haarschnitte allseits! (Und echt gute Texte ;))