Beim Landeanflug siehst du sie schon: die Ägäis. Türkis, blau, Wellen und Boote direkt unter dir … So fängt der Urlaub richtig gut an. Du steigst die Treppe vom Flieger hinab auf die Rollbahn, läufst 50 Meter über den Teer, 50 Meter ins Gebäude hinein, größer ist dieser griechische Flughafen nicht; holst dein Gepäck vom einzigen Laufband, trittst hinaus auf die Straße – und schon stehst du tatsächlich am Strand, Füße im Sand, Salz in der Luft.
Mein Tipp: Spring rein ins Wasser! Denn du musst noch anderthalb bis vier Stunden Fahrt aushalten, um nach Skala Eressos zu kommen, je nachdem, und ich schwör: Es ist frustrierend, immer direkt am Meer entlangzufahren, das lockende Wasser zu sehen, die Strände – und nicht baden zu können. Weil du im Taxi sitzt. Weil du im Bus sitzt.
Mit einem Leihwagen ist das anders. Da entscheidest natürlich du: Hier in der Bucht halten? Kurz schnorcheln, dann weiter? Aber nur deswegen einen Mietwagen nehmen? Wie kommst du denn von Mytilini, wo das Flugzeug dich entlässt, im Südosten der Insel, rüber nach Eresos, im Südwesten von Lesbos? Mit Auto, Bus, Taxi einmal am Hufeisen entlang, das die Bucht von Kalloni in die Landfläche schneidet, oder landeinwärts über die Berge? Und macht es etwas aus, dass du als Frau allein auf Reisen bist?
Deine Optionen, nach Griechenland zu reisen: Flug und Fähre
Vor der Insel, vor dem Urlaub, ist der Flug. Der Flughafen auf Lesbos heißt Mytilini (manchmal auch Mytilene geschrieben oder in anderen Spielarten von i, e und y); Code MJT. Du kannst auch mit der Fähre auf die Insel kommen, aber Fähre: Na ja. Dauert, ist teils teurer, fährt auch in der Hochsaison nicht jeden Tag überall hin und ab Herbst gleich gar nicht mehr. Nee, nee, nee, nee: Von Deutschland aus Flug nach Athen, manchmal auch nach Thessaloniki, dort umsteigen und fertig. Die einzige Schwierigkeit dabei: das richtige Gate zu finden.
Mein Tipp für Athen: Geduld! Das Gate wird erst 60 Minuten vor Abflug angezeigt – das stresst ein wenig, aber du fliegst immer von Bereich B nach Mitilini. Und wenn du da schon mal bist, ist es nicht weit bis zu egal welchem Gate; es ist ein recht kleines, übersichtliches Terminal. Nur nicht trödeln dann, denn der Bus zum Flieger ist auch schon mal 30 Minuten vor Abflug bereits weg. Ganz unspektakulär fährt er ab, ohne lauten „Last Call“ und wirklich wirklich „Last Call“ nach dir. Ergo: Bus ohne dich, Flieger ebenso. (Mäh!)
In Thessaloniki wiederum weißt du dein Gate schon früher – aber dahin zu kommen? Es ist ein bisschen wie Ikea, oder die griechische Version davon: Jumbo. Ein Labyrinth, hin und her, Schlaufen und Kreisel. Ich erinnere mich an einen Flug, der mit arger Verspätung ankam, was mich aber erst mal nicht störte. Denn aus dem Fenster des ersten Fliegers sah ich’s ja schon: Mein nächstes Flugzeug direkt nebenan. Vierzig Meter Entfernung vielleicht, mehr nicht. Ich würde es schaffen. Aber dann! Ikea eben. Für 40 Meter Luftlinie 40 Minuten brauchen. Ergo: (Hah! Ich hab ihn trotzdem geschafft!)
Weiter: Mit dem Bus quer über die Insel Lesbos zum Strand in Skala Eresos
Na super – jetzt hab ich damit angefangen, was alles schiefgehen kann bei einer Anreise nach Lesbos. Dabei kann auch noch auf der Insel so viel … ach, weißt du was? Wir machen mit dem Kompliziertesten weiter: Weiterreise per Bus. Wenn schon, denn schon – so ein Urlaubsort abseits des Massentourismus braucht etwas Einsatz von dir!
Der Bus ist für Abenteuerlustige. Es fängt schon auf der Webseite an: Da kannst du zwar suchen, welcher Bus wann wohin fährt, aber das Ergebnis macht nur Sinn, wenn du dich auskennst auf Lesbos. Zwischenhalte werden nicht angezeigt. Macht aber nichts, wir wollen von Endstation zu Endstation, Mitylene, Eressos. Hurra! Nur für später mal, wenn du Ausflüge machen willst: Da musst du leider wissen (woher, ist nicht ganz klar), welche Route der Bus über die Insel nimmt und wie weit die Städte voneinander entfernt liegen.
Willst du zum Beispiel von Andissa nach Eressos, wird dir einzig und allein „Start Mytilini – Ziel Eressos“ als Ergebnis angezeigt. Dann kannst du eigentlich nur vertrauen: „Ja, das wird mir hier angezeigt, weil die Fahrt über Andissa geht.“ (Tut sie oft auch.) Und dann musst du auf eine Karte schauen: Andissa sieht ungefähr 30 Minuten weit weg von Eressos aus, also kommt der Bus 30 Minuten vor Eressos da durch. So ungefähr; das muss reichen, genauer weiß es sowieso keiner.
Trotzdem die Webseite, okay? Hier: Busse auf Lesvos. Da kannst du auch schauen, wie poetisch die Ortsnamen in deutscher Übersetzung sind, was allerdings das Finden des Ortes, wo du hinwillst, auch abenteuerlich macht. „Schönheit“ zum Beispiel, ist Kalloni. Merk’s dir, denn da musst du umsteigen auf deiner Reise von Mytilini nach Eressos.
Umsteigen in Schönheit – und wie kommst du überhaupt zum Lesvos-Inselbus?
Vor dem Umsteigen wiederum musst du aber gar keine Angst haben. Denn schon beim Einsteigen wird das Gepäck sortiert – alles nach Eressos in die eine Seite vom Bus, alles nach woanders hin, meist nach „Stein“ (Petra) oder Molyvos (auch Mithymna genannt), in die andere Seite. Du musst nur den richtigen Bus finden, denn leider leider fahren die alle gleichzeitig ab (wegen Umsteigen eben). Und … na ja. Busfahren ist für kommunikative Personen. Irgendeinen Fahrer fragen, der dann nickt oder weist oder gar nichts sagt. Den nächsten fragen, den übernächsten. Bloß nicht die Fahrgäste, die wissen das auch immer erst in letzter Sekunde. Beim Einsteigen sicherheitshalber noch mal: „Eressos? Eressos?“ Und wenn der Bus dann 90 Minuten später auf einem Platz hält, der so aussieht, als könnte es ein Umsteigeplatz sein, erneut: „Eressos?“
Da kannst du dann allerdings schon spezifischer sein: Eressos oder Skala Eressos? Es somit ankündigen, wo du eigentlich landen willst: im oberen Dorf (meist wirst du da an der Kreuzung mit der Palme rausgekippt, wo man aus Andissa (28 Minuten!) kommt). Ganz hoch ins Dorf fährt der Bus selten, da musst du dann laufen (Achtung: fiese Steigung!) Oder du sagst nichts und landest Endstation Parkplatz, unten am Strand, Skala Eressos. Wo dann Taxis warten und dich wieder hoch fahren, bist du da falsch.
Fazit Bus: Für Fortgeschrittene. Denn wie man eigentlich zu diesem Bus kommt, vom Flughafen aus, haben wir jetzt noch gar nicht besprochen. Dabei ist das ganz einfach; ich schieb’s mal schnell ein: Vor dem Flughafengebäude links, wenn du rauskommst, steht so ein Bushaltestellenschild. Mit elektronischer Anzeige sogar, die auch schon mal funktionierte. Da wartest du einfach und steigst ein in egal was kommt – auch wenn das nach rechts fährt, weg von der Stadt. Aber der Bus muss einfach korrekt wenden, und das darf er direkt vorm Flughafen nicht. Und dann … Ach nee, doch zu kompliziert (aussteigen am ersten Stopp am Hafen, wenn du die eigentliche Haltestelle verpasst, dann 100 Meter entgegen der Fahrrichtung zurück. Eine Straße hopps hoch weg von Meer, dann noch durch den Park und schon bist du beim Überlandbus. Klo für Anspannungspinkel gibt’s im Café im Park, aber nie und nimmer im Bus.)
Lieber Regeln brechen mit Auto und Taxi
Lieber mit dem Auto fahren also, zumindest bei deinem ersten Urlaub auf der Insel. Und da sofort auch der erste Tipp: Pass dich den Einheimischen an. Wenn die vorm Flughafen verbotenerweise nach links abbiegen, nach Mytilini rein, kannst du das auch. Wenn zu viele zu brav den Umweg nach rechts zum Wenden erst in zwei Kilometer Entfernung nehmen, tu’s ihnen nach. Irgendwo steht dann Polizei und fischt gern mal die Touristen raus, um Strafgeld zu kassieren.
Lass dich nicht irritieren, wenn das Taxi alle Regeln bricht, falls du ein Taxi nimmst. Die dürfen das irgendwie, oder wissen einfach Bescheid: wo und wann Polizei. Die Taxis wissen auch, dass es eine neue Straße gibt: ab Kalloni nicht mehr am Meer entlang, sondern (kürzer! Schneller! Zwei Spuren!) ab durch die Berge. Sie wissen auch, dass die Straße gesperrt ist, das aber nichts macht. Der Sperrblock steht nur auf der rechten Seite der Fahrbahn, wenn man kurz die Gegenspur nutzt, kommt man locker an dem vorbei.
Du weißt das jetzt auch. Aber Vorsicht: Seit letztem Herbst, also jetzt schon ein Dreivierteljahr, stapeln sich massive Felsbrocken auf der Fahrbahn. Hinter einer Kurve. Nicht angekündigt, nicht abgesichert, bzw. eher so: Die Absicherung, so ein rotes Flatterwarnband, ist um den ersten Fels, der da rumliegt, geschnürt. Wenn du schon fast in ihn reingefahren bist.
Hast du das hinter dir, ist der Weg frei. Wobei, letzter Tipp: Da kommt noch das Ende der Sperrung, und das sieht so aus, als könnte man da wirklich wirklich nicht geradeaus weiter dran vorbei, schon gar nicht in einem Mietwagen, bisher unfall- und kratzerfrei. Aber du kannst! Bisschen über die Kreuzung mäandern, und erneut links an der Schranke entlang, okay? Gegenfahrbahn kannst du jetzt ja schon eins a! Lass dich bloß nicht nach Filia („Freundschaft“) umleiten; das kostet Stunden (ist aber ganz nett anzusehen, die Landschaft da.)
Zu viel für deine Nerven?
Ach, verdammt. Ich kann das einfach nicht: immer nur Paradies beschreiben. Ich kann nur das echte Leben, wie es eben so ist. Und du kannst das lesen, Woche für Woche – meine Geschichten aus Griechenland, von der Insel Lesbos, aus Eresos. Lehn dich in deinem Hotel zurück und lies kostenfrei mit.
Allein reisen auf der Insel: Sicher ans Ziel kommen
Glaubst du mir noch, wenn ich dir jetzt sage, dass du es trotzdem schaffst? Und einen tollen Urlaub haben wirst? Denn all das passiert auch noch auf Lesbos:
- Busfahrer halten genau da an, wo du es brauchst. Egal, ob Haltestelle oder nicht. Sie lassen dich raus, und wenn viel Verkehr ist, stoppen sie den auch mit ihrem Gefährt, so dass du sicher die Straße querst.
- Dein Mietwagen darf auch in letzter Minute noch verlängert werden, wenn dir die Insel so gut gefällt, dass du doch nicht abreisen magst. Und wenn das nicht geht, weil schon für die nächste Frau reserviert, springst du zu ihr ins Auto und fährst einfach mit.
- Wenn du das jetzt nicht glaubst, lies rein in meinen Artikel Skala Eresos: Meine Tipps für lesbischen Urlaub auf der griechischen Insel Lesbos. Da steht’s beschrieben, wie das so ist mit Urlaub in Griechenland und Frauen, die allein anreisen.
- Dein Hotel wartet auf dich. Und holt dich ab. Von da, wo der Bus dich abkippt, dein Taxi sich weigert, weiter durch die engen Gassen zu fahren. Oder der Taxifahrer ruft an, wenn er’s nicht findet: den Bäcker, den Fleischer, die Oma, die Ehefrau. Irgendwer wird schon wissen, wo du übernachtest und wie man da hinkommt, und wenn keiner da ist, um dich in Empfang zu nehmen, in welcher Strandbar die gerade hocken.
- Deine Nachbarn werden klopfen. Dich umsorgen. Kaffee, Kekse, Feta, Oliven. Besonders dann, wenn sie merken: „Die ist ja allein!“ Denn das geht gar nicht in Griechenland: sich allein durchs Leben boxen müssen. Nein, nein, nein, nein.
Fazit: Das Abenteuer lohnt sich!
Skala Eresos erwartet dich. Okay, vielleicht nicht dich speziell – aber irgendwie doch. Es ist ein Ort für Frauen allein; für Frauen, die Griechenland lieben, sich einlassen auf die Art und das Leben hier. Ein Inselleben, wo nicht alles so am Schnürchen läuft wo anderswo, wo du im Urlaub auch mal auf frische Beeren im Cocktail verzichten musst, weil es die auf der Insel einfach nicht gibt – du dafür aber einen Kaffee vom Nebentisch spendiert bekommst, weil du im Auto der Schwester der Frau saßt, die gerade beim Bäcker erfahren hat, dass du gerne ein Nusshörnchen für deinen Kaffee gehabt hättest, es aber keins gab.
Und bestens vorbereitet bist du ja nun auch. Oder warte: Eins hab ich noch, den geheimen Mitfahr-Tipp: Eressos Sharing Rides. Eine Facebook-Gruppe, wo du einfach schaust oder postest, wann du wohin fahren willst, und auch recht oft jemanden findest, der entweder ein Auto hat oder sucht. Aber sei darauf vorbereitet: Du musst vielleicht in „Schönheit“ anhalten und ein Arzneimittel bei der Tierärztin besorgen, das es in Eressos nicht gibt. Und es auf dem Rückweg an die Türklinke der Tanke im Dorf hängen – wird abgeholt.
Ich hoffe, auch du fühlst dich abgeholt. Mit deinen Wünschen, Träumen und Sorgen rund um deinen Urlaub und Aufenthalt auf der Insel, auf Lesbos, in Eresos / Skala Eresos. Und wenn du mehr von mir lesen magst:
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Auch nach dem Urlaub nicht auf Lesbos verzichten! Jede Woche eine neue Geschichte aus dem Dorf, das dich auf die Insel gelockt hat – Eressos. (Den Unterschied zwischen Eresos, Eressos und Skala Eresos/ Eressos erklär ich dir in meinen Mails auch. Kostenfrei in deinen Posteingang.) Also los: Griechenland-Stories kostenlos abonnieren!









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