Kochen lernen mit griechischer „Oma“

In Griechenland bleibst du nicht lange allein. Du wirst adoptiert! Ob du willst oder nicht - deine Nachbarin kommt jeden Tag vorbei. Und bringt dir kochen bei. Und griechisch. Und meckern. Und überhaupt alles Wichtige.
Griechisches Essen kochen lernen - mit der "Oma" von nebenan

Griechenland-Geschichten von Joey Juschka

Kochen lernen mit griechischer „Oma“

Meine echte Oma starb, als ich 18 war. Meine Mutter ist noch viel länger schon tot – aber jetzt hab ich beides wieder, in einer Person: Die griechische „Oma“ von nebenan, die letzten Herbst mit Entsetzen festgestellt hat, dass ich ja ganz alleine hier bin. Dass meine Partnerin für ein paar Wochen zurück nach Deutschland fährt – und ich … na ja, dann ALLEINE bin! Das geht so nicht.

Seitdem kommt sie fast jeden Tag vorbei. Mit Essen oder einfach um Hallo zu sagen – und manchmal auch um zu schimpfen, dass ich nicht da war, als sie kam.

Wenn Griechen schimpfen

„Wo warst du?“, fragt sie dann. „Ich war da! Ich hab geklopft!“
„Arbeiten“, sag ich. Oder: „Meer.“ Oder: „Freundin.“ Oder: „Spazieren.“
Egal, was ich sage, ihr nächster Satz ist immer gleich: „Aber ich war da!“
„Eh“, sag ich dann.
„Ich hab geklopft!“
„Eh“, sag ich.
„Vorhin! Ich hatte Fisch!“ (Oder Reis, oder Xorta, oder oder oder oder. Etwas zu essen für mich.)
„Eh“, sag ich und fühl mich ganz schuldig.

Ebenso schuldig fühle ich mich, wenn ich noch nichts Ordentliches gegessen hab, wenn sie kommt.

„Was isst du heute?“, ist einer der ersten Sätze, den ich von ihr lernte.

Essen in Griechenland – so ziemlich das Wichtigste im Leben

„Salat“, sagte ich neulich. „Mit Feta.“
„Zeig!“
„Wie? Aus dem Kühlschrank holen?“ (Das kann ich noch nicht auf Griechisch. Aber gestikulieren geht immer.)
„Zeig!“

Ich zeigte. Salat. Feta. Der Feta roch nicht gut.

„Kaputt?“, fragte ich und hielt ihn der Oma unter die Nase. „Kaputt“ als Wort hat sie aufgebracht, sehr praktisch, das musste ich dann nicht extra lernen.
„Kaputt!“, stimmte sie zu und dann sagte sie mir, was ich dennoch mit dem Feta machen könnte. Welches Gericht.
Das verstand ich natürlich nicht. Aber: „Schüssel her! Gib mal! Ich zeig dir das!“ (Okay, ich verstand nur die Gesten, nicht die Worte.)
Ich gab Schüssel und Feta.
„Und Milch!“
Ich gab die Milch.
„Und Eier.“
Ich gab zwei Eier.

Sie fing an zu kneten, Feta und Milch und Eier in der Schüssel, und wollte dann noch was von mir.

Ich reichte ihr Salz, Löffel, Topf, bis ich’s endlich kapierte: Mehl!
Und dann noch die Auflaufform. Butter zum Einfetten.

Und dann der Befehl: „In den Ofen!“
„Und wann ist fertig?“, fragte ich. „Wie lange, wie heiß?“
„Bis so orange wie dein T-Shirt!“
„Eh“, sagte ich.

Feta im Ofen backen

Und dann ging die Oma wieder und ich saß vor dem Ofen und schaute ab und zu rein und überlegte, ob ich nicht doch googeln sollte, bei wie viel Grad und wie lange man so ein Feta-Milch-Eier-Mehl-Gemisch backen muss, und dann dachte ich:

„Nö. Einfach so lang, bis orange ist.“

Καλή όρεξη! Guten Appetit!

Joey

PS: Hat super geschmeckt!
PPS: Auch die Oma war zufrieden, der ich später was brachte.
PPPS: Bin gespannt auf weitere Rezepte.
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Das Bild: Von einem anderen Essen. Vom orangenen Feta-Ding hab ich keins gemacht.

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